Schön allein ist nicht alles

Was war er nicht für ein gut aussehender Mann!
Genau genommen.
Ist er es heute auch noch.
Groß und schlank.
Gut gewachsen.
Wunderschöne Augen.
Blaugrün.
Wie das Meer.
Und sein blonder Schopf.
Wie die Mähne eines Löwen.
In der Farbe des Sandes der Sahara…
Ja.
Er war ein attraktiver Mann.
Und er ist es noch heute.
Das sagt sie selber.
Wenn sie sich erinnert.
An das erste mal.
Als sie ihn sah.
Und wie ihr Herz schneller schlug.
Und sie sich abwenden musste.
So gut sah er aus.
Weil sie rot wurde.
Wie ein junges Mädchen…
Erröten!
War das nicht verrückt!

Sie hatte sich verliebt.
Hals über Kopf.
In ihn.
Und seine Erscheinung.
In seine schmeichelnden Worte.
Und sein gefälliges Lächeln…
Im Meer seiner Augen.
Da wollte sie gerne einmal schwimmen.
Tauchen.
Nach Muscheln.
Und nach Perlen…
Sie fühlte sich als Frau.
In seiner Gegenwart.
Attraktiv und angenommen.
Obwohl sie doch genau wusste.
Sie war doch eher unscheinbar.
Ein Mauerblümchen.
Nichts Besonderes.
Und nicht die.
Die eigentlich träumen hätte dürfen.
Von einem Mann wie ihm.
Dem doch die Weiblichkeit zu Füßen lag.
Der die Frauen liebte.
Wie sie ihn…

Und trotzdem.
Träumte sie von ihm.
Fast wie ein dummes Kind.
Und aussichtslos.
Denn dass ihm die kleine Dunkle wirklich gefiel.
Mit ihrer langen, lockigen Mähne.
Das merkte sie.
Irgendwann.
Und es tat weh.
Denn Träume.
Sie haben es an sich.
Wahr werden zu wollen.
Und darum spürte sie den Schmerz.
Sehr heftig noch.
Als diese Affäre.
Längst vorbei war.
Besonders als sie hörte.
Wie er spottete.
Über sie selbst.
Und ihre fahle Gesichtsfarbe.
Und ihren kurvenlosen Körper…
Sie war nicht schön.
Das wusste sie schon.
Aber sie hatte doch gedacht.
Dass er das Besondere in ihr sah.
Und nicht die Hülle.
Er war doch ein geistvoller Mann.
Sensibel und menschlich.
Oder doch nicht?
Denn sonst.
Hätte er das wohl nicht gesagt…

Dieser Schmerz war noch stärker.
Doch irgendwann vorbei.
Und auf einmal.
Schien er ihr nicht mehr so bezaubernd.
Eigentlich derselbe.
Und doch entstellt.
Durch die Messer seiner Worte.
Durch die Anmaßung seiner Oberflächlichkeit.
Und durch seine eigene Eitelkeit…
Mochte schon sein.
Dass er ihr noch gefiel.
Er sah ja noch genauso aus.
Doch seltsam.
Wie eine Glaswand zwischen ihnen.
Und sie nahm ihn irgendwie anders wahr.
Wie durch eine Linse.
Die direkt sein Innerstes zeigte.
Selbst verliebt.
Und egoistisch.
Seltsam leer…

Vivienne/Feuerlilie

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