Als die Nacht am dunkelsten war
Als die Nacht am dunkelsten war.
Wollte ich sterben.
Wollte ich alles wegwerfen.
Das mir etwas bedeutete.
Und mir noch Kraft gab.
Tränenblind.
Und ohne Hoffnung.
Dass noch einmal die Wolkendecke verschwindet.
Und ich die Sonne wieder sehen könnte.
Einmal…
Ich hatte den falschen Weg gewählt.
So oft.
Immer wieder musste ich umkehren.
Manchmal ging es nicht mehr.
Und ich musste weitergehen.
Mir einen Weg bahnen.
Über Steine.
Über unwegsames Gelände.
Durch Gestrüpp und Dornen.
Ich fiel und stand wieder auf.
Aber manchmal wäre ich gerne liegen geblieben.
Liegen um zu sterben…
Als die Nacht am dunkelsten war.
Sah ich kein Licht.
Ich fühlte nur meine Sorgen.
Und ich spürte die Angst.
Die Angst, die mich beherrschte.
Die meinen Willen unterwarf.
Und mich in die Knie zwang.
Mich beinahe brach.
Die Sonne schien hinter mir.
Aber ich bemerkte sie nicht.
Ich wollte sterben.
Aber das Leben kehrte zurück…
Fast konnte ich es nicht glauben.
Ich stand wieder auf einem ebenen Weg.
Unerwartet.
Auf einer schönen Straße.
Mein Gesicht war zerkratzt.
Und meine Hände.
Ich blutete aus kleinen Wunden.
Meine Kleidung war zerrissen.
Aber ich stand an der Straße.
Und der Tag war hell und schön…
Ich ging weiter.
Das Blut trocknete.
Die Schmerzen ließen nach.
Und schließlich merkte ich.
Dass ich mich gut fühlte.
Als wäre eine Zentnerlast von mir abgefallen.
Ich keuchte nicht mehr.
Ich atmete.
Befreit.
Und nichts.
Gar nichts.
Erinnerte mehr an diese dunkle Nacht…
Vivienne/Feuerlilie